Hurricane Harvey

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Meine neue Woche startete dann recht früh, allerdings nur halbtags, womit es zu verkraften war. Barretts Anspannung vor dem Flug war deutlich zu spüren und wir versuchten, ihn mit fernsehen und Hirnaktivitäten ein bisschen abzulenken, da er nur schwer zu ertragen war. Meinen Nachmittag verbrachte ich mit schlafen und damit, meine to do Liste abzuarbeiten. Dienstag war dann mein erster Tag mit nur einem Kind. Das schien erstmal einfacher und entspannter zu sein, erwies sich in Woche zwei dann aber schon anstrengend, weil Korbin nicht sehr motiviert war, irgendwas zu machen und man ihn immer unterhalten musste oder er einfach nur alleine in ein Buch schauen wollte, was meine Arbeit zum Teil doch sehr langweilig werden ließ. Ich überlegte mir allerlei spannende Sachen und wenn wir im Zoo oder bei Graceland waren, ging es auch besser, aber sein neues Lieblingsspiel „Sarah schlafen“ machte mich wirklich müde, da ich auch mal gut und gerne zwanzig Minuten so tun musste, als würde ich schlafen, um dann ganz erschrocken zu sein, wenn er auf mich sprang:D. Das Gute war, dass mein Tag um 4:30 endete und ich somit anschließend noch Zeit fürs Gym oder andere Aktivitäten hatte. In den zwei Wochen schafften wir es auch, meinen neuen Führerschein/ID zu beantragen, da ich durch die Verlängerung meines Programms natürlich auch eine Verlängerung dafür brauche, um noch Auto fahren zu dürfen. Meine Wochenenden bestanden in den Wochen, in denen Barrett und Ulrich in Deutschland waren, auch nicht aus reisen, da ich Freunden von Jenny den Gefallen tat, für drei Wochen auf ihren Hund aufzupassen. Dafür durfte ich in deren Haus wohnen, mit Pool und schöner Aussicht. Ich fuhr nun also jeden Tag zur Arbeit und nach der Arbeit wieder zurück. Für mich vor allem an den Wochenenden schön, da ich ausschlafen konnte, niemanden störte, wenn ich spät heim kam und auch einfach mal laut Musik hören oder fernsehen konnte. Nichts, was ich in meiner Familie wirklich vermisse! Ich versuche aber immer, Rücksicht darauf zu nehmen, dass die Kids schon schlafen, die Kinder nehmen leider (aber normal) nicht so viel Rücksicht, wenn ich schlafe, auch wenn Mama und Papa sich größte Mühe geben…
Am Wochenende war für Samstag ein Barbecue geplant, doch es kam alles anders, als gedacht. Nachdem Barrett und Ulrich nach 10 Tagen Deutschland wieder gut gelandet waren, ging es daran, den Jetlag wegzubekommen, was diesmal wohl schon deutlich besser klappte, als im letzten Jahr. Wir setzten noch nicht den Schulplan (vormittags Korbin, nachmittags Barrett) um, sondern luden Barrett ein, etwas mit mir zu machen, machten aber auch viel mit Mama zusammen, oder er konnte ‚private time‘ haben. Schnell hatte er sich wieder ganz gut aklimatisiert, nur Mama litt unter dem ‚Mitten-in-der-Nacht-mehrfach-aufstehen‘ und dem daraus resultierenden Schlafmangel. Somit gab sie mir einen Vormittag frei, um einfach auszuschlafen und keinen „Schedule Stress“ zu haben. Nachmittags kamen sie dann zum Schwimmen in meinem vorübergehenden Domizil vorbei. In dieser Woche erhielten wir aber auch immer mehr News zum Hurricane Harvey. Freitag wurde es dann ernst. Am Morgen war noch alles ruhig, das Einzige, das ein bisschen auf schlechtes Wetter hinwies, waren die gefallenen Temperaturen. Am Nachmittag begannen dann die ersten Gewitter, gegen Abend nahm der Wind mehr und mehr zu. Schon die Tage zuvor, sowie an diesem Freitag war in den Geschäften die Hölle los, Wasser war ausverkauft und die Schlangen an den Kassen ewig lang. Für die Küste sicherlich eine gute Idee, aber viele Austiner machten sich über ihre Mitmenschen lustig, weil es hier doch keine weitreichenden Auswirkungen geben sollte – dachten wir. Freitag Abend waren die News dann schon soweit, dass es nicht, wie vermutet, Corpus Christi, sondern Rockport härter treffen sollte und nun auch für Austin „stock up“ Warnungen ausgesprochen wurden, was Sarah natürlich (zur Erinnerung: vorübergehend eigenes Domizil!) nicht gemacht hatte. Glücklicherweise blieben die Überflutungen weitestgehend aus und ich musste nur einigen unserer Kissen hinterher rennen, ohne selber wegzufliegen (was bei Winden bis zu 30mph nicht so ganz einfach ist). Ich blieb das ganze Wochenende zu Hause, weil ich erstens Travis nicht alleine zu Hause lassen konnte und man zweitens nie sicher wusste, wie die Straßenverhältnisse sein würden. Travis hasst Sturm und sobald ich das Zimmer verließ, war sie in größtem Stress, weil ich ja nicht wieder kommen könnte. Samstag skypte ich dann mit Lara und am Nachmittag kamen Nancy und Isra für einen Filmabend vorbei (soviel zum Barbecue). Der Regen hatte zwar den ganzen Tag nicht wirklich eine Pause gemacht, zeigte nun aber zusammen mit dem Wind nochmal so richtig, was er zu bieten hatte. Er wehte sogar einen Standventilator um, den ich nur schwer hochheben konnte. Draußen musste man sich gegen den Wind stemmen, um nicht wegzufliegen und ich versuchte, so wenig wie möglich draußen zu sein, aber der Hund muss ja nun manchmal auch raus. Nancy schlief an diesem Abend auch bei mir und unser Sonntag bestand aus ausschlafen und frühstücken, wobei wir bei den Twilight-Filmen im Fernsehen hängen blieben und uns wirklich noch einmal alle Teile anschauten….
Anschließend kam dann noch der Film „Die DUFF“, bei dem ich aber leider schon halb einschlief. Montag Morgen war der ganze Spuk dann schon so gut wie vorbei. Es war zwar immer noch recht kalt und es regnete auch noch mal ab und zu für kurze Zeit, aber kein Vergleich zum Wochenende. Bei uns zu Hause hatte es ein paar Bäume erwischt, sonst gab es in Austin aber nur wenige Zerstörungen. In Houston stieg nun das Wasser höher und höher und eine meiner Bekannten musste tatsächlich evakuiert werden. Rockport und Corpus Christi waren vollends zerstört, was ein Schock war, wenn man bedenkt, dass ich mit May, Isra und Jose erst eine Woche vorher dort gewesen war und es so schön gefunden hatte. Die Woche mit den Kids lief ganz gut, sie freuten sich immer, wenn ich kam, was ein klarer Vorteil am woanders-Wohnen war. Wir hatten auch ein kleines Special für die Kids, indem wir zum Fotografen gingen, um ein paar Bilder in typisch deutscher (wir würden eher sagen:Bayrischer) Kleidung und anschließend in Superhelden-Kostümen machen zu lassen. Außerdem besuchten wir den Zoo und spielten zu Hause ein paar neue Spiele. Am Wochenende brachen dann die letzten Tage in meinem ‚Zuhause auf Zeit‘ an. Trotzdem entschied ich mich, am Samstag als Volunteer im Tiershelter zu helfen, wo nicht nur Tiere, sondern auch haufenweise Spenden für die Tiere von Hurricane Harvey eintrafen. Zuerst machten wir uns an die Arbeit, Kisten zu zerreißen. Die meisten kamen von Amazon, was wieder einmal das Miteinander in Texas zeigte. Hunderte von Leuten hatten die Sachen, die das Tierheim am dringendsten brauchte, auf ihre Wunschliste geschrieben und direkt an die Adresse schicken lassen. Diese Boxen mussten nun geöffnet, entleert und sortiert werden. Da wir glücklicherweise jedoch viele Helfer waren, war das Ganze nach ein etwas mehr als einer Stunde so gut wie geschafft. Nebenbei sortierten wir noch die Spenden, die im Minutentakt persönlich abgegeben wurden. Dann mussten noch Paletten beladen werden, ebenso Trucks, die einige Sachen in die Scheune verlagerten und neu kommende Volunteers eingewiesen werden. Nach fünf Stunden in der Sonne fuhren Nancy und ich dann nach Hause, machten eine kurze Pause, um dann mit den anderen auszugehen. Der Abend wurde lang und lustig, aber auch recht anstrengend. Als wir endlich zu Hause waren, fielen wir nur noch ins Bett und entspannten am nächsten Tag am Pool und im Haus. Außerdem packte ich meine Sachen, da am nächsten Tag das Luxusleben vorbei sein würde. So nahm ich dann am nächsten Morgen, als ich zur Arbeit fuhr, schonmal den größten Teil meiner Sachen mit. Es war Labor Day, Ulrich arbeitete aber trotzdem halbtags und ich auch ganz normal, dafür bekomme ich den Tag nach meinem Seattle Wochenende frei.

Soweit erstmal, mehr kommt hoffentlich bald.

Liebe Grüße, Sarah

 

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